Fake-News: Frontal-21 glaubt Verschlechterung durch Software-Update nachgewiesen zu haben

Diese Fake-News sind etwas anders gelagert als typische Fake-News von Antidieseltrollen: Die eigentliche Behauptung des Beitrags kann stimmen oder auch nicht. Die Aussage, dass es sich um Fake-News handelt, bezieht sich auf die Behauptung, dass angeblich etwas bewiesen wurde.

Frontal 21 hat am 21.01.2020 einen Beitrag [1] gezeigt, bei dem bei einem Mercedes vor und nach einem Software-Update die Abgase im Realbetrieb gemessen wurden. Für die weitere Erörterung ist es hilfreich, sich den Beitrag zunächst anzuschauen.

Laut Herstellerbeschreibung und laut KBA hätte das Software-Update den NOx-Ausstoß des Fahrzeugs reduzieren müssen. Nach 3 Messfahrten mit 715 (ohne Update), 764 (mit Update) und 792 (mit Update) mg NOx/km im Realbetrieb schlussfolgert Frontal 21, der Schadstoffausstoß habe sich vergrößert. Die 3 Messwerte liegen im Bereich 757 mg NOx/km +/- 5%.

Und wo liegt das Problem? Ganz einfach: Die Deutsche Umwelthilfe hat bereits am Beispiel eines Audi A8 [2] gezeigt, dass solche Schwankungen selbst ohne irgendeine Veränderung am Fahrzeug normal sind. Dort wurden Werte zwischen 1076 und 1679 mg NOx/km gemessen (bzw. 1938, wenn man die Testfahrt mit Kaltstart dazunimmt), ohne dabei das Fahrzeug zwischendurch irgendwie zu verändern. 

Frontal 21 hat hier einen Versuch der Verdummung der Zuschauer begangen. Um tatsächlich eine Verschlechterung zu beweisen, hätte Frontal 21 so viele Messfahrten durchführen müssen, dass man am Ende sagen kann: "Die Wahrscheinlichkeit, dass die gemessene Verschlechterung reiner Zufall ist, liegt bei 5%". Das ist jedoch nicht mit 3 Messfahrten möglich, schon gar nicht bei so geringen Schwankungen. Außerdem handelt es sich hierbei um ein Euro 5 - Fahrzeug ohne NOx-Nachbehandlung. Bei diesen Fahrzeugen entsteht bei warmem Motor tendenziell mehr NOx, da NOx bei Hitze entsteht. Während ein Warmstart bei Fahrzeugen mit SCR ein Vorteil ist, weil dann die schmutzigere Kaltstartphase entfällt, ist der Warmstart bei Fahrzeugen wie dem getesteten Mercedes ein Nachteil. Wie im Beitrag beschrieben, ist man aber vor der 3. Messung erst einmal etwas herumgefahren. Dort war also ein höherer Wert zu erwarten.

Das Ergebnis der Testfahrten ist verdächtig und rechtfertigt weitere Untersuchungen. Ein Beweis ist das allerdings höchstens dafür, dass man bei Frontal 21 von Statistik wirklich rein gar nichts versteht. Die Deutsche Umwelthilfe hat übrigens nicht zum Spaß ganze 8 Testfahrten mit dem Audi A8 ohne Veränderung am Fahrzeug vorgenommen. Und dabei wollte die Deutsche Umwelthilfe nur zeigen, dass der Wert weit über 80 mg NOx/km liegt.

Externe Links

[1] Dieselabgase - Ein Software-Update auf dem Prüfstand (Quelle: ZDW-Mediatek, abgerufen: 06.07.2020)

[2] NOx- und CO2-Messungen an einem Diesel-Pkw Audi A8 L 4.2 TDI, Euro 6 im realen Fahrbetrieb (Quelle: DUH, abgerufen. 06.07.2020)

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