Falsche Vorhersagen über Diesel

Spätestens seit 2008 ist zu beobachten, dass der angebliche Experte Ferdinand Dudenhöffer Vorhersagen über den Absturz und den Tod des Diesel-Motors macht. Er wiederholt diese Vorhersagen wahrscheinlich so lange, bis der Verbrennungsmotor nicht mehr benötigt wird, und wird sich dann vermutlich darüber freuen, das Ende des Dieselmotors seit 20, 25 oder 30 Jahren vorhergesagt zu haben. Seine Vorhersagen hat er dabei so angelegt, dass er am Ende immer sagen kann, er habe recht gehabt, egal wann es tatsächlich so weit ist. Derzeit ist zu beobachten, dass Fahrzeughersteller sich darauf festlegen, bereits eher als 2030 den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor einzustellen. Insofern könnten 20 Jahre, gerechnet ab seiner ersten mir bekannten falschen Vorhersage von 2008, hinkommen.

Seine Vorgehensweise ist dabei so, als würde ich vorhersagen, dass bei uns im Treppenhaus bald jemand auf die Nase fällt. Dann wiederhole ich die Vorhersage so lange und so oft, bis es tatsächlich passiert. Sollte es mir zu lange dauern, lege ich eine Bananenschale aus, um das Eintreten des Ereignisses zu beschleunigen, genauso wie Ferdinand Dudenhöffer mantraartig wiederholt, der Diesel sei tot, in der Hoffnung, dass sich jemand von ihm "beraten" lässt, ein Diesel weniger verkauft wird, und so der Vorgang beschleunigt wird. 

Ein Meteorologe könnte, wenn die Sonne gerade scheint, auch vorhersagen "es wird bald regnen". Scheint die Sonne einige Tage später immer noch, könnte wieder vorhersagen: "es wird bald regnen". Diesen Vorgang wiederholt er noch einige Male. Wenn es dann irgendwann regnet, könnte er sich freuen, den Regen korrekt vorhergesagt zu haben. Das funktioniert sogar, obwohl der Meteorologe keine Möglichkeit hat, nachzuhelfen. Er wartet einfach, bis es mal regnet.

Das schlimme ist: Einige Journalisten werden darauf hereinfallen und werden tatsächlich glauben, dass es sich um eine Vorhersage handelt, die auf irgendwelchem Wissen basiert. Diese Journalisten werden nicht merken, dass er in den 20 Jahren davor vor allem falsche Vorhersagen über die Entwicklung beim Diesel gemacht hat.

Zeitpunkt Vorhersage Faktencheck
2008 Diesel-Anteil wird nicht mehr steigen [1] Der Diesel-Anteil lag 2008 in Deutschland bei 44,1% [6], 2015 bei 48,0 [7] %
2011 "Diesel in zwei Jahren dauerhaft teurer als Benzin" [2] Im Jahr 2021 ist Diesel weiterhin mehr als 0,10€/l günstiger als Benzin. Die von ihm als absolut sicher vorhergesagte Preisentwicklung ist nicht eingetreten. 
2011 „Diesel hat seinen Höhepunkt längst überschritten“ [3]  Der Diesel-Anteil lag 2008 bei 44,1% [6], 2011 bei 47,1% [8], 2015 bei 48,0% [7]
2019 "2025 ist der Diesel mausetot" [4] Am 10. Februar 2021 hat er vorhergesagt, dass 2030 noch 390.000 Diesel-PKW verkauft werden können und dass der Diesel damit noch schneller tot sei als 12 Monate zuvor gedacht. Offensichtlich dachte er 2019 also, dass der Diesel 2025 mausetot sei, und auch 2019 oder 2020, dass er 2030 noch nicht tot sein wird (siehe [9] und [10]).
2020 CO2-Steuer lässt Preisdifferenz abschmelzen [5] Für 2026 ist eine CO2-Steuer von 0,17€/l Diesel und 0,15€/l Benzin vorgesehen. Von 2020 bis 2026 schmilzt die Preisdifferenz dadurch um 0,02€/l ab. Bei einem Verbrauch von 5l/100km sind das also 1,00€/1000km.

Die peinlichste falsche Vorhersage von ihm ist die von 2011, dass Diesel bald dauerhaft teurer sei als Benzin. Diese Vorhersage hätte nur wahr werden können, wenn die EU im Jahr 2012 dafür gestimmt hätte, die Energiesteuer so zu ändern, dass Kraftstoffe nach Energiegehalt besteuert wird. Gemäß den geltenden EU-Verträgen kann diese Änderung nur einstimmig im EU-Rat beschlossen werden, das gilt heute genauso wie damals. Jeder Experte wusste 2011 aber, dass die Bundesregierung damals dagegen war und dagegen stimmen würde, falls es überhaupt zu einer Abstimmungen darüber kommen sollte.

Es bestand also nicht die geringste Chance, dass eine verpflichtende Veränderung der Besteuerung bis 2013 seitens der EU beschlossen wird. Kein echter Experte hätten solchen Unsinn vorhersagen können.

Der Spiegel hat den Vorgang im Jahr 2012 erklärt, nachdem das EU-Parlament dagegen gestimmt hatte [11]:

Die EU-Volksvertretung hat in Fragen der Steuerpolitik allerdings kein Mitentscheidungsrecht. Das letzte Wort hat der Rat als Vertretung der Mitgliedstaaten, der zudem einstimmig entscheiden muss. Da einige Länder - darunter Deutschland - bereits ein Veto angekündigt haben, hat die EU-Kommission keine Chancen, sich mit ihrem Vorschlag durchzusetzen.

 

Externe Links

[1] Studie: Pkw-Diesel hat Höhepunkt überschritten (Quelle: Springer Fachmedien, abgerufen: 20.04.2021)

[2] Experten: Diesel bleibt auf Dauer teuer (Quelle: t-online, abgerufen: 20.04.2021)

[3] Rekordjagd an der Zapfsäule (Quelle: tagesspiegel, abgerufen: 20.04.2021)

[4] Dudenhöffer: 2025 „ist der Diesel mausetot“ – E-Mobilität nicht mehr aufzuhalten (Quelle: Elektroauto-News, abgerufen: 20.04.2021)

[5] Der Diesel wird zum Auslaufmodell (Quelle: Spiegel, abgerufen: 20.04.2021)

[6] Fahrzeugzulassungen im Dezember 2008 (Quelle: KBA, abgerufen: 20.04.2021)

[7] Pressemitteilung Nr. 01/2016 - Jahresbilanz - Fahrzeugzulassungen im Dezember 2015 (Quelle: KBA, abgerufen: 20.04.2021)

[8] Pressemitteilung Nr. 1/2012 - Fahrzeugzulassungen im Dezember 2011 (Quelle: KBA, abgerufen: 20.04.2011)

[9] https://twitter.com/DudenhofferAUTO/status/1359837044021874689 (abgerufen: 20.04.2011)

[10] https://twitter.com/DudenhofferAUTO/status/1359501650877104129 (abgerufen: 20.04.2011)

[11] EU-Parlament stimmt gegen Erhöhung der Dieselsteuer (Quelle: Spiegel, abgerufen: 11.08.2021)

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